Ruigoordrede Der Verrat meiner Generation Ich möchte hier von einem Albtraum berichten. Ein Albtraum ist ein böser Traum und dieser böse Traum, ist in meinem Fall ein Traum, der noch gut anzufangen schien, doch schon bald in eine unangenehme Richtung ging. Die Hauptdarsteller, von der ersten bis zur letzten Minute, meine Generationsgenossen. Die Generation, vom Mai 1968, eine Generation von Provokation und Einbildung, die Generation von "Hitweek" und "Gandalf", eine Generation der neuen Musik und der neuen Bildsprache, eine Generation, die sich Wörter wie 'marginal' und 'Protest' und 'anti-autoritär' auf die Fahnen geschrieben hatte, eine Generation des erweiterten Sexualitätsverständnisses. Ich bin von meinen Generationsgenossen verraten worden. Ich bin Teil einer Generation von Verrätern. Dadurch bin ich unweigerlich auch selbst ein Verräter. Ich bin vom Verrat infiziert, denn ich war zugegen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich mich vor allem von meinen Freunden verraten fühle. Ich wurde im Stich gelassen, ich bin verwaist. Ich stehe in der Kälte. All diese pathetischen Emotionen tosen in mir, wenn ich an meine Altersgenossen denke. So kann ich den Älteren Verständnis entgegen bringen und gerührt auf die Kinder schauen – nur meine eigene Generation ist mir fremd. Ich mag Ratten, Mücken, Piranhas, Nissen – nicht aber meine Generationsgenossen. Es schien so schön, als man ihnen mit Zwanzig glauben musste. Mit einem Hammer und ein paar Schrauben würden sie mir nichts, dir nichts das Paradies zurechtzimmern. Nur noch einen klitzekleinen Krieg unter den Teppich kehren, ein paar Massenmörder und einen alten Polizeipräsidenten ablösen und die Sache wäre gegessen. Ich muss das 'meine' in meine Generationsgenossen, meine Zeitgenossen, relativieren. Vieles geschah hinter meinem Rücken, ich war viel eher damit beschäftigt, meine Unschuld einzubüßen, als eine Gesellschaft zu transformieren. Ich hatte keine Ahnung wo die Länder liegen, in denen das Unrecht geschah, gegen welches meine Altersgenossen so vehement protestierten. Das eine Mal ist durch meine Hand eine Scheibe in einem Polizeibüro am Leidseplein zu Bruch gegangen, ein andermal eröffnete ich mit der Übersetzung eines idiotischen französischen Gedichts über die tapferen, von Hoffnung erfüllten Maimädchen, die Ausgabe der literarischen Zeitschrift, deren Redakteur ich gerade geworden war (die Maiausgabe 1968). Noch ein anderes Mal unterstützte ich, auf meine Art, einen dissidenten, griechischen Dichter, den die Obersten eingesperrt und natürlich gefoltert hatten, in dem ich für eine Protestkundgebungen ein Gedicht übersetzte, von dem ich überhaupt nichts verstand. Das war dann aber auch schon mein kompletter Beitrag an der Revolution. |
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